Tierseuchenkasse Baden-Württemberg
Navigationoben
 
Startseite
 
Information
 
Melde- u. Beitragspflicht
 
Leistungen
 
Tiergesundheitsdienst
 
Tierseuchen
 
Online Melden
 
Download
 
Unbenannte Seite
Aktuelles Impressum Sitemap
Tierseuchen
Schutz vor Tierseuchen
Allgemeines
 
Schutz vor Tierseuchen
 
BVD Bekämpfung
 Fragen u. Antworten
 

Wie kann ein Tierhalter seinen Bestand vor Seucheneinschleppung schützen?
Tierseuchen sind Krankheiten, die durch spezifische Erreger ausgelöst werden und eine Ausbreitungstendenz zeigen. Erreger - das sind in erster Linie Viren (z. B. Schweinepest, Maul- und Klauenseuche, IBR), Bakterien (Brucellose, Salmonellose, Milzbrand, Tuberkulose), ferner auch Parasiten (Trichomonadenseuche) und Pilze. (Kälberflechte)
Seuchen können in Abhängigkeit vom Erreger und seinen spezifischen Eigenschaften in verschiedenen Formen verlaufen: hochansteckend (z. B. Maul- und Klauenseuche) mit hoher Erkrankungs- und/oder hoher Sterblichkeitsrate (z. B. Schweinepest, Aujeszkysche Krankheit, Milzbrand, Tollwut) oder weniger ansteckend, langsamer verlaufend und mit geringerer Erkrankungs- und Sterblichkeitsrate, (z. B. BHV-1, Varroatose, Bovine Virusdiarrhoe). Bei den letztgenannten Erkrankungen stehen die wirtschaftlichen Verluste im Vordergrund.
Bei der Weiterverbreitung der Krankheitserreger werden bei allen Seuchen sog. "Infektketten" gebildet, in denen der Erreger von Tier zu Tier weitergetragen werden kann - direkt über Kontakt oder indirekt über belebte und unbelebte Zwischenträger, sog. "Vektoren".
Ziel der Tierseuchenbekämpfung ist es, die Tierhaltungen vor dem Eindringen solcher Tierseuchen zu schützen, bei Eindringen wirksam und rasch zu bekämpfen, um die Weiterverbreitung zu verhindern und die Infektketten an einer geeigneten Stelle zu unterbrechen.
Für besonders gefährliche Tierseuchen, vor denen sich der einzelne Tierhalter nicht wirksam schützen kann, hat der Gesetzgeber in verschiedenen Rechtsvorschriften Schutzmaßnahmen festgelegt, die jeder betroffene Tierhalter einhalten muss. So sind im Tierseuchengesetz, im Tierkörperbeseitigungsgesetz und in den zahlreichen Verordnungen (Viehverkehrsverordnung, Schweinehaltungshygieneverordnung, Tollwutverordnung, BHV-1-Schutzverordnung, AK-Verordnung usw.) eine ganze Reihe Vorschriften enthalten, die vorbeugenden Charakter haben und unsere Tierbestände vor der Einschleppung von Seuchen schützen sollen.

Wie kann ein Erreger in den Bestand kommen?
Tierseuchenerreger gelangen direkt über infizierte Tiere oder indirekt über belebte und unbelebte Zwischenträger in die Bestände. Nur wer diese verschiedenen Einschleppungsmöglichkeiten kennt und über das aktuelle Seuchengeschehen im In- und Ausland informiert ist, kann sich auch wirksam vor dem Eindringen von Krankheitserregern schützen.

1. direkte Einschleppung über infizierte Tiere Infizierte Tiere gelangen in der Regel über Zukauf, seltener über die Rückkehr von Ausstellungen, Sportveranstaltungen u. ä. in den Bestand.

Die Binnenmarkttierseuchenschutzverordnung und die Verordnungen zu einzelnen Tierseuchen (z. B. BHV-1-Schutz-VO) schreiben für den Handel mit Tieren das Vorliegen bestimmter Gesundheitsbescheinigungen vor. Dabei muss in der Regel der Amtstierarzt am Versandort bescheinigen, dass die Tiere gesund sind und aus einem für die spezielle Krankheit freien Gebiet oder Bestand stammen. Wer Tiere in seinen krankheitsfreien Bestand zukauft, darf nur Tiere abnehmen, die über die entsprechenden Gesundheits- oder Ursprungszeugnisse verfügen.

Alle eingestallten Tiere müssen ordnungsgemäß nach den Vorschriften der Viehverkehrsverordnung (VVVO) gekennzeichnet sein, um ihre Herkunft erkennen oder rückverfolgen zu können. Eine Eintragung ins Bestandregister und Meldung an HIT bei Rindern gehören ebenfalls zur ordnungsgemäßen Verfahrensweise.

Es sollten nur augenscheinlich klinisch gesunde Tiere eingestallt werden. Dabei ist immer günstig und für bestimmte Tierhaltungen sogar gesetzlich vorgeschrieben, zugekaufte Tiere zunächst getrennt vom übrigen Bestand aufzustallen und über eine gewisse Zeit zu beobachten. ("Quarantäne"). Damit kann der Tierhalter Tiere erkennen, die zwar bei Einstallung gesund erscheinen, aber dennoch möglicherweise einen Erreger bereits in sich tragen und ausscheiden. Solche Tiere befinden sich in der sog. "Inkubationszeit", einer Vorphase der eigentlichen Erkrankung. Sie zeigen noch keine Krankheitserscheinungen, scheiden aber schon Erreger aus und können andere Tiere anstecken.

2. indirekte Einschleppung über belebte und/oder unbelebte Zwischenträger

a) indirekte Einschleppung über belebte Zwischenträger

Häufig sind es Personen, die berufsmäßig mit Tieren zu tun haben (z. B. Viehhändler, Besamer, Tierärzte), die Tierseuchen unbewusst weiterverbreiten. Diese Personen können in anderen Ställen mit infizierten Tieren Kontakt gehabt haben und - bei ungenügender anschließender Reinigung und Desinfektion - den Erreger an Händen, Schuhwerk oder Kleidung weitertragen.

Der Landwirt sollte den Personenverkehr in seiner Tierhaltung grundsätzlich auf ein Minimum beschränken. Zudem sollte jede Tierhaltung eingefriedet und mit einem Warnhinweis versehen sein, der Unbefugten den Eintritt untersagt. Das gilt auch für Weidehaltungen. Für die Personen, die aus beruflichen oder sonstigen Gründen die Tierhaltung betreten müssen, sollte ein Wasch- und Umkleideraum vorhanden sein, in dem sich diese Personen die Hände waschen und desinfizieren, das Schuhwerk reinigen und desinfizieren (Wanne) und stalleigene Schutzkleidung überziehen können.

In Tierhaltungen, die regelmäßigen Besucherverkehr haben oder an Tagen der offenen Tür sollte unbedingt ein Besucherbuch bereitliegen, in das sich jeder Besucher einträgt. Das erleichert im Seuchenfall die Ursachenermittlung und Weiterverfolgbarkeit. Für Besucher gelten grundsätzlich die gleichen Hygienevorschriften wie für alle anderen Personen, die - z. B. beruflich - mit Tieren zu tun haben! Wenn Personen einen Stall betreten müssen, die 48 Stunden vorher in einem anderen Stall mit gleicher oder verwandter Tierart gewesen sind, ist eine besonders sorgfältige Reinigung z. B. Duschen sehr zu empfehlen. Die Benützung bestandseigner Kleidung (Overall, Kopfbedeckung, Stiefel) wird vorausgesetzt.

Auch Tiere übertragen Krankheitserreger. So können Schadnager und Haustiere Krankheitserreger an Fell und Pfoten zwischen Ställen übertragen. Deshalb sollten Haustiere wie Hunde und Katzen nach Möglichkeit keinen Zugang zu den Stallungen haben. Schadnager, vorallem Ratten und Mäuse, müssen wirksam bekämpft und ebenfalls von den Ställen ferngehalten werden (intakte Türen, Fenster, generelle Sauberkeit und Hygiene, sachgerechte Verwahrung und Entsorgung von toten Tieren und Konfiskaten).

Darüberhinaus künnen wild lebende Tiere unsere Haustiere durch direkten Kontakt oder auf indirektem Wege mit Krankheitserregern infizieren. Ein klassisches Beispiel hierfür sind Wildschweine, die das Virus der Wildschweinepest auf Hausschweine übertragen können. Um dies zu vermeiden, müssen z. B. Frei- und Auslaufhaltungen nach der Schweinehaltungshygieneverordnung doppelt eingezäunt sein.

b) indirekte Einschleppung über unbelebte Zwischenträger

Eine dritte Möglichkeit der Einschleppung ist die über Fahrzeuge (Viehhandels-, TBA-, Futtermittel- und Milchfahrzeuge), Futtermittel (z. B. Speiseabfälle), Gegenstände und andere unbelebte Zwischenträger, die Kontakt mit infizierten Tieren oder kontaminierten Gebieten hatten.

Bei Neu- oder Umbauten von Stallanlagen sollte so gebaut werden, dass Fahrzeuge, die regelmäßig Produkte liefern oder abholen, möglichst nicht auf die Hoffläche fahren müssen, sondern die Be- und Entladung an der Außenseite der Gebäude stattfindet. Sofern dies nicht möglich ist, haben sich für die Fahrzeuge Durchfahrbecken mit Desinfektionsmittellösung zur Reifendesinfektion bewährt.

Die Einschleppung einer Seuche über die (illegale!) Verfütterung unerhitzter oder nicht ausreichend erhitzter Speiseabfälle hat im Rahmen des Schweinepestgeschehens der letzten Jahre eine ganz große Rolle gespielt. In der Viehverkehrsverordnung hat der Gesetzgeber die Verfütterung von Speise- und Schlachtabfällen an Klauentiere grundsätzlich verboten. Darunter fallen nicht nur solche aus Gaststätten und Kantinen, sondern auch hofeigene Speiseabfälle. Eine Ausnahme kann genehmigt werden für das Verfüttern von Speiseabfällen, die einem zugelassenen Erhitzungsverfahren unterworfen worden sind. Für den Betrieb der Erhitzungsanlagen gelten strenge Vorschriften und die werden vom Veterinäramt überwacht. Die Erhitzung erfolgt in diesen Betrieben so, dass eventuell enthaltene Krankheitserreger wie das Schweinepestvirus sicher abgetötet werden.

Wenn ein Landwirt Speiseabfälle von einem solchen Erhitzungsbetrieb in seinem Betrieb an Klauentiere verfüttern möchte, ist dies nur mit Genehmigung des Landratsamtes möglich.

Jeder - private oder gewerbliche - Tierhalter trägt bei der Verhinderung der Einschleppung von Tierseuchen, ihrer Erkennung und Bekämpfung eine große Verantwortung für seinen Bestand und für andere Tierhaltungen. Neben der strikten Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben kann jeder zusätzliche Maßnahmen ergreifen, um seinen Tierbestand vor der Einschleppung von Tierseuchen zu schützen. Auch die Meldung der Tierzahlen und die fristgerechte Beitragsentrichtung bei der Tierseuchenkasse Baden-Württemberg gehören zu einer ordnungsgemäßen Tierhaltung, genauso wie die rechtzeitige Zuziehung des Amtstierarztes bei Anzeichen einer anzeigepflichtigen Tierseuche im Bestand. Versäumnisse können hierbei zum Verlust der Entschädigung und zu privatrechtlichen Haftungsfällen führen, wenn aus diesem Grund Nachbarbestände angesteckt wurden.

Zur Beantwortung weiterführender Fragen stehen Amtstierärzte, Tierärzte der Tiergesundheitsdienste und praktizierende Tierärzte dem Landwirt mit Rat und Tat zur Verfügung.